Ein Wort an Sie, verehrte Herren und Damen, die ich von dieses Hauses Höh' vor mir versammelt seh'. Sie, die zu diesem Zweck zusammenkamen, zu hören unser Dankgebet, da dieses Haus nun fertig steht. Vernehmen Sie, was ich dem Hause wünsche und stimmen Sie dem edlen Wunsche bei: Des Hauses Pfeiler sei Gerechtigkeit und seine Schutzwehr die Wohltätigkeit; in seinem Innern wohne Frömmigkeit, als Quelle christlich froher Heiterkeit. Dazu für seinen Bauherrn eingeweiht, sei es ein Wohnsitz der Geselligkeit, der Freude und Zufriedenheit.

Beim munteren Mahle, wenn die Pokale gefüllt mit Wein im Kreis erklingen, wenn muntere Gäste in heitrer Laune den Reiz des Lebens, den Wert der Freundschaft, der Liebe Wonne dann froh besingen, dann werde auch der Leidenden gedacht und der Armut reichliche Spende gebracht.
Wohl dem, der den Reichtum besitzt auf Erden, ein Retter der leidenden Menschheit zu werden. Durch Taten der Liebe werd' ihm schon hienieden des himmlischen Beifall zum Lohne beschieden. Das sei des edlen Menschen Bestreben, darum soll vor allem recht lange in Segen unser Bauherr mit seiner Familie leben.

Hoch! Hoch! Hoch!

Zu leben in heiterem Frieden, sei ihm und den Seinigen beschieden, ihnen wrde hienieden ein bleibendes Heil durch Liebe und Freundlichkeit zuteil. Zu diesem Friedensbund da steht ein Haus auf festem Grund, doch hat ein jedes Haus klein oder groß, Hütt' oder Schloß, alt oder neu, sein Kreuz dabei. Und wird auch diesem Bau auf Erden früh oder spät sein Kreuzchen werden, ein froher, frommer Sinn zieht auch daraus Gewinn und weiß, den Vater im Himmel dort oben auch für die Stunde der Prüfung zu loben. Dies Glas, es soll den Männern gelten, die sich dem Bauherrn aller Welten als fleißige Schüler anvertrauten. Sie, deren Kunst dies Haus gebaut, der Baukunst edle Meister sollen leben. Ein freurig Hoch aus freier Brust, mit heitrer Lutz und Jugendkraft, zu ehren die edle Meisterschaft, soll jubelnd duch die Lüft schweben.

Hoch! Hoch! Hoch!

Mein zweites Glas gilt meinen Kollegen, Gehilfen und Lehrlingen allerwegen! Es schlägt das Herz in freudigem Wallen euch edlen Gesellen der Baukunst allen. Ihr seid's, die des Tages Last getragen, laßt euch mit dem redlichen Dank nun sagen, was der Baukunst Genius sinnig erdacht, hat der Fleiß eurer Hände zustande gebracht. Ein Lebehoch auf lustigen Wellen steig auf für Zimmer- und Maurergesellen.

Hoch! Hoch! Hoch!

Und nun zum Schluß gedenk' ich der Stadt, die edle Menschen in ihrer Mitte hat, moderne Männer, zarte Frauen, mit Lust zu beschauen. Gott segne die Stadt, die so viel Großes und Schönes hat. Die Jünglinge mögen in Kraft erglühn und liebliche Mädchen in Zucht erblühn. Der echten Freiheit heilige Flammen halte die Bürgerschaft in Eintracht beisammen. Bildung walte, Kunst gestalte schöner und schöner das Dasein hier, und keusche Sitte in Mitte sei ihrer Jugend beglückende Zier. So lebe hoch die geliebte Stadt, die Sinn für echte Freiheit hat.

Hoch! Hoch! Hoch!

Kurz und bündig Wir wollen gratulieren, gerichtet ist das Haus, hat Fenster und hat Türen und sieht gar stattlich aus.
Der Maurer hat's gemauert, der Zimmerer überdacht; doch daß es hält und dauert, das steht in Gottes Macht.
Schützt auch das Dach vor Regen, die Mauer vor dem Wind, so ist doch allerwegen an Gott allein gelegen, ob wir geborgen sind.

Zimmermannsspruch aus der Kemptener Gegend, um 1850